Geburt: Zwischen Trauma und Höhenflug

Wie unsere Geburtserfahrung unser Leben veränderte

Die Geburt meines ersten Kindes war die Hölle. Als ich am Morgen danach mit Mann und Kind das Krankenhaus in dem ich entbunden wurde verließ, trällerte die Ärztin uns ein fröhliches „Auf Wiedersehen!“ entgegen. Meine Antwort kam sofort und tief aus meinem Innersten: „Mich werdet ihr hier nie wieder sehen!“


Ein Jahr später hält eine andere Frau rund 100 Kilometer entfernt in einer anderen Klinik ihren soeben geborenen Sohn in ihren Armen. Während sie ihn bestaunt und große Mengen des Liebeshormons Oxytoxin ihren Körper durchströmen, erklärt sie ihrem Mann und ihrer Hebamme stolz: “Das hab ich selbst geschafft!


Die Erfahrung, die wir bei der Geburt unseres ersten Kindes gemacht haben, könnte unterschiedlicher nicht sein. Und doch ist sie das, was uns verbindet und uns zu Weggefährtinnen gemacht hat. Aus unseren Geburtserfahrungen ist gewachsen, was wir jetzt mit Frau Wunderwerk in die Welt tragen. Sie hat uns zu den Frauen gemacht, die wir heute sind. Was war geschehen?

 

Simones Geschichte

Simone brachte ihr erstes Bauchwunder aus den Flitterwochen in Schweden mit. Einer inneren Eingebung folgend, suchte sie sich schnell eine Hebamme. Selbst im Gesundheitswesen tätig, hatte sie eine Ahnung von der Überversorgung in diesem Bereich. Da sie sich rundum gut fühlte, gab es keinen Grund für unnötige Routineuntersuchungen oder teure IgeLeistungen. Sie fühlte sich in den Händen einer Hebamme wohler und wollte einfach nur entspannt schwanger sein. 


Sie las Leboyers bekanntes Buch „Geburt ohne Gewalt“ und „Die Hebammensprechstunde“ und war sich sicher, dass das schon irgendwie klappen würde. Schließlich gebären überall auf der Welt Frauen ihre Kinder. Der Gedanke, hierfür in ein Krankenhaus zu gehen, kam ihr nicht richtig vor, doch der Gedanke an eine außerklinische Geburt wich schnell den rationalen Überlegungen. 98% aller Frauen machen das hierzulande so, die Mietswohnung im zweiten Stock schien nicht passend und die Bedenken des Ehemanns gingen in die Richtung „Was, wenn dann was schief geht?“.


Simone ging zum Geburtsvorbereitungskurs und zum Schwangerenyoga und erklärte beim Vorgespräch in der Klinik selbstbewusst, dass sie eine natürliche Geburt wünsche. Doch es kam alles anders.


Cerstins Weg

Cerstin wurde 2010 erstmals schwanger und entschied sich ebenfalls für die Betreuung durch eine Hebamme. Sie war aufgeregt und neugierig und gleichzeitig fragte sie sich, was es denn nun zu tun gab. Sie wünschte sich jemanden, der sie an die Hand nimmt und Vertrauen in ihre Kraft und Kompetenz hat. Aus dem Wunsch nach einer liebevollen Begleitung ergab sich die Suche nach einer passenden Doula und einem Geburtsort, an dem sie selbstbestimmt eine natürliche Geburt erleben konnte.


Sie beschäftigte sich sehr intensiv mit ihren Vorstellungen, Wünschen und Bedürfnissen und wagte es, ihrem Bauchgefühl zu vertrauen. Als sich Cerstins Sohn auf den Weg machte, wurde sie von einer vertrauten Doula in einen hebammengeleiteten Kreißsaal begleitet, um ihr Baby zur Welt zu bringen.

Geburt-Trauma oder Höhenflug2


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Die Auswirkungen unserer Erfahrungen

Die Stunden in der Klinik haben unser Leben verändert. Wir durften unsere Grenzen erfahren und die Kraft der Wehen. Wir erlebten uns in einer Ausnahmesituation und haben am eigenen Leib erfahren, wie essentiell eine wirklich gute Begleitung unter der Geburt ist. Dass es nicht egal ist, wo wir geboren werden. Und dass es nicht egal ist, was wir während der Geburt erleben.


Ich habe Routine, Manipulation und Grenzüberschreitungen erlebt. Ich fühlte mich alleine gelassen und wurde immer unsicherer. Ich war eine Patientin, deren Bedürfnisse nicht gesehen und deren Wünsche nicht respektiert wurden. Als ich meinen Sohn endlich in den Armen hielt, war es Liebe auf den ersten Blick und doch war da in mir eine Leere, die ich nur schwer beschreiben kann. Das Gefühl „entbunden worden zu sein“, es nicht aus eigener Kraft geschafft zu haben, war vorherrschend. Und es machte mich unendlich traurig für meinen Sohn, dass seine Geburt kein Fest, sondern vielmehr einem Kampf ähnelte. Dieser schwere Start warf seinen Schatten auf meine ersten Wochen und Monate als Mutter. Erst zwei Jahre später fand ich den Mut und die nötige Begleitung, mir meinen Schmerz über diese Erfahrung anzusehen und Heilung zu finden.


Cerstin hat Zuwendung, Loslassen und Vertrauen erlebt. Sie fühlte sich sicher und gut begleitet, war eine Frau, die ein Kind zur Welt bringt und deren Bedürfnisse und Wünsche gesehen werden. Das Gefühl „wenn ich das geschafft habe, dann schaffe ich alles“, stellte sich als Grundgefühl ein und schenkte ihr ein neues Selbstbewusstsein. Wer eine solche Geburt erlebt hat, der genießt den Höhenflug, der sich einstellt und wird sein Leben lang aus der Erinnerung an dieses Erlebnis Kraft schöpfen.

 

Und welchen Weg gehst du?

Fest steht, dass deine Geburtserfahrung dein Leben verändern wird. Egal welchen Weg du gehst. Die Geburt ist ein Meilenstein in deinem Leben als Frau. Sie fordert alles von dir, sie bringt dich mit deiner inneren Kraft in Verbindung, sie lässt dich über dich hinauswachsen.

Nutze deine Schwangerschaft, um dich auszurichten auf diesen Höhepunkt, der dir bevorsteht. Lausche deiner Intuition. Suche dir gute Geschichten. Glaube an deine innere Weisheit und Kraft, die dich zur Expertin für deinen Weg macht. Wähle deinen Geburtsort mit Bedacht und überlasse es nicht dem Zufall, wer dich begleitet, wenn dein Baby sich auf den Weg macht. Treffe Entscheidungen, die zu dir passen und finde deinen eigenen Weg für eine kraftvolle Geburt. Richte dich auf einen Höhenflug aus und gebe dich nicht mit weniger zufrieden.

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4 Comments

  1. Antje May 28. September 2017 um 9:28 Uhr - Antworten

    Liebe Cerstin, liebe Simone,

    so ein toller und wertvoller Artikel! Danke dafür! Ich erlebe so oft in Beratungen in meiner Praxis, was für weitreichende Auswirkungen und lange bestehende Problematiken eben genau auf die Erlebnisse und Gefühle rund um die Geburt zurückzuführen sind! Und zwar bei Mama und Kind! Deshalb ist das unglaublich toll, was ihr hier mit eurer Seite ins Leben gerufen habt!

    Viele liebe Grüße
    Antje

    • Vogel 29. September 2017 um 10:47 Uhr - Antworten

      Liebe Antja,
      vielen Dank für dein Feedback zum Artikel. Ja, ich denke die Folgen, die ein schwieriger Start ins Leben für Mutter und Kind hat, werden auch sehr unterschätzt. Fachkräfte die damit zu tun haben und die betroffenen Mütter und Babys begleiten, haben ein sehr gutes Gefühl dafür, wie sehr uns die Geburt prägt.
      Frau Wunderwerk möchte dazu beitragen, schwangeren Frauen bewußt zu machen, dass sie selbst durch ihre Entscheidungen, ihre eigene Auseinandersetzung und ihren Weg zu einem guten Start beitragen und daraus noch lange Kraft schöpfen können. Wir wünschen uns, dass möglichst viele Frauen so erfahren: Geburt kann ein wundervoller Höhenflug sein!
      Herzliche Grüße, Simone
      P.S.: Für Mütter und Babys, die einen schweren Start hatten ist es natürlich unglaublich wertvoll, wenn es Angebote gibt, die sie begleiten und eine heilsame Wirkung haben.

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